Berichte & Situation

 
   

Pößnecker Erklärung gegen
 „rechtsextreme und ausländerfeindliche Gewalt"


Für Solidarität und ein friedliches Miteinander

1.Wir, die Bürger und Bürgerinnen der Stadt Pößneck verurteilen die nächtlichen Anschläge auf die Schaufenster unserer ausländischen Geschäftsleute und die Beschmierung von öffentlichen Gebäuden (Rathaus, Weißer Turm und Werbeflächen der Stadt) mit rechtsradikalen Parolen.
2. Mit großer Sorge nehmen wir die zunehmenden Aktivitäten rechtsextremistischer Kräfte in der Stadt zur Kenntnis. Rechtsextremistischen und ausländerfeindlichen Gedankengut muss mit aller Deutlichkeit entgegengetreten werden. Es stellt eine erhebliche Gefahr für die Demokratie dar.
3. Wir, die Bürger und Bürgerinnen nehmen die Sorgen und Ängste in der Stadt, die durch politisch motivierte Gewaltbereitschaft entstehen sehr ernst.Wir fordern den Bürgermeister Michael Roolant und alle Stadträte der Stadt auf, unter Einbeziehung von den betroffenen Opfern, Verbänden, Kirchen, Ämtern, Polizei und Parteien alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Menschen unserer Stadt zu sensibilisieren, um Aktivitäten mit rechtsextremistischen oder ausländerfeindlichen Hintergrund zu verhindern und zu verurteilen.
4. Nicht stillschweigendes Dulden, Wegschauen, sondern gemeinsames Handeln und Zivilcourage aller sind gefordert. Pößneck darf kein Ort der Angst, der Demütigung und Diskriminierung werden.

Die Initiative für Zivilcourage, Oktober 03

 
 
   

 

Weggesehen?

Chronik von rassistischen und ausländerfeindlichen Aktivitäten

in der Stadt Pößneck

Ab Mitte 2002

 

 

Keine Toleranz für Rassismus!

 
   
   
     
 

2002 Störungen des Brunnenfestes durch Neonazis (Körperverletzungen)

02.10./03.10.2002 Mehrere Rechte schlagen einen jungen Mann nieder. Er erleidet Rippenprellungen und diverse Hämatome. Anzeige wurde erstattet, jedoch fallen lassen. Die Anzeige war gegen unbekannt gestellt und es konnte kein Täter ermittelt werden

März 2003

08.03.2003 Der neueröffneten „Fruchtwelt“ Breite Straße wurde die Scheibe zerstört

Mai 2003

06.05.2003 Nazis werfen einem Backstein in die Scheibe des Dönerladen „Aladin" Neustädter Str

Zwei linke Jugendliche werden von Rechten verbal angegriffen und geschlagen

23.05.2003 In der Nacht wird bei „El Hayat“‑Imbiß Breite Straße, der erst am 17. Mai eröffnet hat, eine Leiter in die große Schaufensterscheibe geschleudert

24.05.2002 Angriff auf „EI‑Hayat“‑Imbiß Breite Straße, die Scheiben werden mit Steinen eingeworfen.

26.05.2003 Wieder werden die Scheiben des „EI‑Hayat“‑Imbiß Breite Straße zerstört. Der Schaden beträgt inzwischen 3000 Euro

29.05.2003 Die Eingangstür aus Sicherheitsglas der Pizzeria „Aladin“ Neustädter Str. wurde mit einem Baseballschläger oder ähnlichem Gegenstand demoliert.

Juni 2003

21.06.2003 Die Scheiben von dem Geschäften „China Bistro“ Saalfelder Str., „El Hayat“‑Imbiß Breite Straße/„Asia“-Bekleidung Breite Straße werden zerstört.

22.06.2003 Es werden erneut 3 verschiedene Geschäfte angegriffen: „Dylan“ Neustädter Straße, China Restaurant „Peking“ Im Loh Pizzeria " Aladin" Neustädter Straße

Juli 2003

05.07.2003 In der Nacht zum Sonntag werden ca. 300 Sticker mit rechtsextremen Inhalten auf Schaufenster, Verkehrsleiteinrichtungen, Fallrohre etc. geklebt.

13.07.2003 Angriff auf den „El‑Hayat“‑Imbiss Breite Straße, erneut wurde eine Fensterscheibe zerstört.

August 2003

09.08./10.08.2003 Unbekannte kratzen mehrere Hakenkreuze in die Werbetafel eines Ladens, in dem Skaterzubehör verkauft wird. Der Besitzer erstattete Anzeige.

Nazidemo;  ca. 15 Leuten riefen: „Ausländer raus“

15.08116.08.2003 werden wiederholt Nazi‑Symbole an die Werbetafel des Skaterladens von Unbekannten geschmiert.

Am „Weißen Turm, am Rathaus im Gelände der LGS werden Schmierereien mit dem Inhalt: „Rudolf Hess‑ das war Mord" vorgefunden.

17.08.2003 am Markt eröffnet ein Pub in dessen Keller mehrere Nazis feiern. Diese Kneipe war ursprünglich im Besitz eines Bürgers ausländischer Herkunft, welcher jedoch nach einem brutalen Überfall auf das Gebäude und Gasstätte aus Angst und Resignation das Haus und Geschäft aufgaben. Es wird angenommen, dass die jetzigen Besitzer der Kneipe dem rechten Spektrum angehören.

18.08/19.08.2003 Plakate mit dem Inhalt ,Hess Gedenktag" und einigen Punkten des Werdegangs von R. Hess wurden in ganz Pößneck verklebt.

20.08.2003 Acht Nazis kommen ins PDS Büro und drohen mit weiteren Anschlägen. Anzeige wurde erstattet, jedoch von der Polizei nicht als solche, sondern „nur als ein Bericht" behandelt. PDS‑Angehörige versuchen jetzt zu ermitteln, warum die Anzeige bei der Polizei nicht angenommen wurde.

23.08.03 Rechte versammeln sich vor dem Rathaus, bestehen darauf mit dem Bürgermeister zu sprechen. Der hatte am 18.07.03 nach vielen Überfällen auf Läden nichtdeutscher Besitzer, bei denen meist Ladenscheiben eingeschmissen wurden, diese zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Das verlangen die Rechten jetzt auch von ihm, sie seien ja nun auch Bürger der Stadt. Der Bürgermeister gibt ihnen einen Termin. Auf Nachfrage im Stadtrat zum Inhalt des Gesprächs zwischen Bürgermeister und Rechten, antwortet er, das sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Er bleibt bis heute dabei, das er dem Inhalt des Gespräches nicht öffentlich wieder geben dürfe.

September 2003

03.09. 2003 Unbekannte schmeißen einen Stein in die Scheibe eines in der Nähe des Pub's wohnenden Jugendlichen. Vor diesem Haus halten sich häufig linke Jugendliche auf.

05.09.03 Gegen 22:00 stellen sich für einige Stunden 30 Rechte vor den Döner Laden „Aladin“. Der Besitzer blieb in der Nacht aus Angst in seinem Laden (es ist nicht die erste Bedrohung g dieser Art, die er erfährt); um 04:45 wird seine Ladenscheibe eingeschmissen.

19.08. 2003 ca. 16.00 Uhr schlagen vier Rechte auf einen linken Jugendlichen ein

07.09. 2003 ca. 16.00 Uhr etwa 30 Nazis stürmen in einen Park, in dem sich linke Jugendliche treffen, während einige entkommen können, werden zwei mit Baseballschlägern und anderen Gegenständen geschlagen und getreten, besonders ins Gesicht. Anzeigen wurden erstattet. Die herbeigerufene Polizei, traf erst spät ein. Sie nahm die Personalien der linken Jugendlichen auf und beim verlassen des Parks hörte ein Jugendlicher wie ein Polizist sagte: „Die müssten erschossen werden, die Viecher'

25.09.2003 Hakenkreuzschmierereien in der Gerberstraße

 

 
     
 

Diese Chronik wurde im Oktober 03
von der
Pößnecker Initiative für Zivilcourage erstellt
und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Weitere Hinweise zu Überfällen, Pöbeleien oder andere Untaten, bitte an die diese Adresse :

Geschäftsstelle der PDS, Oberer Graben 16, 07381 Pößneck